Gleiches Elend für alle!

By baerbel

Endlich greift mal jemand durch: http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,576543,00.html

Konnte es nicht lassen, vor allem wegen der anderen Beiträge, das zu kommentieren:

http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=5056&page=12

Hier mein Beitrag:

Gleiches Elend für alle!!!

Wär´s nicht super, einfach gleich alle Schulschwänzer und sonstiges arbeitsscheues Gelichter wie z.B. Hartz IV- Empfänger auszweisen, auch die Deutschen?

Ein Vorbildliches Modell gab es da im Frankreich bis in die 60er Jahre: Die Stafkolonie in Französisch-Guyana. Alle Schwerverbrecher mussten dort zuerst ihre Strafe absitzen, danach durften sie nicht wieder nach Frankreich zurück, waren also verbannt.

Kuschelpädagogische Projekte wie z.B. Bootcamps reichen lange nicht aus, um den Verfall der Gesellschaft, den Untergang des Abendlandes aufzuhalten.

Ein weiteres Modell, über das nachzudenken wäre, gab es in der Sovietunion: Wer zur Lagerhaft verurteilt wurde, bekam hinterher den Pass abgenommen und verlor seine Rechte als Sovietbürger. Ein paar Millionen illegalisierte Vogelfreie würden der angeschlagenen Wirtschaft guttun, weil sie keine Unverschämten Forderungen wie z.B. nach Krankenversicherung o.Ä. stellen könnten.

Autoritäre Charaktertypen brauchen es wie ihr täglich Brot, dass an noch hoffnungsloseren Typen als sie es schon sind, Exempel statuiert werden. „Ausländer“, „Asoziale“ und Arbeitslose eignen sich besonders gut, um diese Gelüste zu befriedigen. Je härter mit diesem „Bodensatz der Gesellschaft“ umgesprungen wird, desto sicherer kann die Politik sich der Unterstützung breiter Wählerschichten sein. Und was ist besser für den sozialen Frieden, als Vertrauen in die Politik?

Kuschelpädagogische Projekte wie z.B. Bootcamps reichen lange nicht aus, um den Verfall der Gesellschaft, den Untergang des Abendlandes aufzuhalten

Ähem…

Genau. Über die eigene Ohnmacht täuscht man sich am besten hinweg, indem man sich denen anschließt, die am kräftigsten und am konsequentesten nach unten treten und z.B. das Ausländergesetz verschärfen. Erfüllender als das die Fürsprache für eine Politik der Harten Hand ist nur die unmittelbare Beteiligung am Pogrom, aber das ist ja leider Gottes verboten.

Ganz beonders beliebt ist es auch, auf „Sozialbetrüger“ und „Nutznießer“, also die Parasiten in der sozialen Hängematte zu verweisen. Es ist egal, dass diejenigen, auf die ein solcher Vorwurf passen würde (wenn man ihn den unbedingt machen will), nur einen verschwindend geringen Anteil an den Empfängern Staatlicher Leistungen ausmachen. Sie isolieren zu können und ihnen per Gesetzesverschärfung das Leben zur Hölle zu machen, gibt dem alltäglichen Elend der Verlierer einen Sinn. Den Fehler bei sich selbst zu suchen oder da, dass Kapitalistische Produktion ohne eine ungleiche Verteilung gesellschaftlichen Reichtums überhaupt nicht funktionieren würde, darauf kommt natürlich keiner der autoritären Charaktertypen, das würde zu viele Fragen aufwerfen.

Diesen Menschen liegt die Forderung nach gleichem Elend für alle näher als die nach allgemeinem Wohlstand. Ihre eigene Verhärtung gegen ihre Bedürfnisse wollen sie allen anderen gleichermaßen aufzwingen. Ihre Vorstellung von Gerechtigkeit fußt im Neid, in der Missgunst. (Wenn es nur ein Stück Schokolade gibt, sollen lieber alle Kinder keins bekommen.)

Das ist zwar zutiefst krank, erfreut sich aber allgemeiner Beliebtheit und zeigt mal wieder, dass es bei der Irrenanstalt vor allem darauf ankommt, dass man nicht drinne ist.

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