Fugenovokale, Gedankengespenster

Grundsätzlich:

Es heißt Trilogie und nicht Triologie.

Islamophobie ist eh kein richtiges Wort, also eigentlich nicht der Rede Wert, wäre die Welt nicht so schlecht, wie sie ist. Ich denke aber, wenn es ein richtiges Wort wäre, also eines, das man ohne sich in Grund und Boden zu schämen, benutzen könnte, dann hieße es richtig: Islamphobie.

Es hieße zwar „islamophob“, trotzdem aber Islamphobie. Wenn die Angelsachsen „islamophobia“sagen, klingt das ja noch sinnvoll. Da aber die alten Griechen weder den Islam noch die „Islamphobie“ kannten, hat das Wort, zumindest auf Deutsch, das „o“ verdammt nochmal nicht nötig. Es sei denn, es soll gescheiter klingen, als es ist. (Bei Islamophilie wäre das anders, weil Islamphilie halt scheiße klingen tät. Aber darum geht es hier gerade nicht.)

Und der Typ von der „Bahamas“ heißt Wertmüller, nicht Wertemüller.

Vorkommen:

Eigentlich halte ich nicht viel von Klugscheißerei, die Verwendung von Sprache betreffend, wohl aber bei genau diesen 3 Beispielen: Alle lesen oder glotzen sie Triologien (die nicht mal Trilogien sind), beklagen die Islamophobie, und, sofern linksinteressiert, schimpfen sie auch noch auf den Wertemüller.

Fast nie ist es eine Trilogie, niemals Islamphobie und auf Wertmüller schimpft auch keine Sau.

Wer sich mit Trilogien, Islamphobie und Wertmüller beschäftigt, das unterstelle ich mal, hat zumindest Lesen gelernt und glaubt, – zumindest in  Fall von Interesse an „Islamophobie“ oder dem Schimpfen auf „Wertemüller“ –, sich mit wesentlichen Dingen zu befassen.

Wenn jemand „Wertemüller“ sagt, wird er auch im selben Gespräch von „Islamophobie“ faseln, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, also zu etwa 90% wahrscheinlich. Und ich bin mir sicher, dass dieselbe Person auch von einer Triologie sprechen würde.

Halbgebildete Schnösel

Wer meint, so selbstherrlich Sprache verwursten zu dürfen, sollte zu wichtigen Dingen besser die Klappe halten. Nicht, dass ich jemandem mit geringer Bildung verbieten wollen würde, sich bei wichtigen Dingen einzumischen. Nicht, dass ich jemandem den falschen Gebrauch von Wörteren ankreiden würde, an sich finde ich das nicht schlimm.

Ich habe nur die ganzen halbgebildeten Schnösel satt, die ein paar Modewörter und ein paar Namen auswendig lernen, die sie dann überall herausposaunen müssen.

Die Fehlerhaftigkeit gerade bei diesen Wörtern lässt vermuten, dass hier fürs Denken nicht viel Zeit verbraucht wird, dass hier offenbar die Widerstände („denken“) zwischen aufschnappen und daherplappern recht gering sind.

Diese Leute machen jede möglicherweise interessante Diskussion zur immergleichen Qual. Es ist nämlich auch genau die Sorte, die sich immer einmischen muss, sobald sich Erwachsene unterhalten und die dann mit ihrem halbgaren Gequake jedes weitere Vordringen zum Schönen, Wahren und Guten unmöglich machen.

Und dann frag sie mal jemand was  zu ihren liebsten Sujets, also der Islamophobie und dem Wertemüller:

Islamophobie ist „eine Art Antisemitismus oder Rassismus, nur halt mit Moslems, statt mit Juden oder, äh, Menschen mit stark pigmentierter Haut“.

Und der Wertemüller, „das ist doch der von der Bahamas, und die, das sind doch die allerkrassesten Antideutschen… die sind doch voll rassistisch und sexistisch und finden alles gut, was Amerika macht, also nee, die sind zu krass…“ Gelesen haben sie noch keine einzige Zeile von ihrem Lieblingsfeind, das wird meistens ganz schnell klar. Meistens vermuten sie irgendwas, und das ist fast immer absoluter Quatsch, hat selten auch nur entfernt inhaltliche Ähnlichkeit mit irgendwas von Justus Wertmüller.

Auf die Dummdreistigkeit hingewiesen, die dem Begriff der Islamphobie eignet und darauf, dass man auch bitte – zumindest ein bisschen – wissen sollte, was der Wertmüller so schreibt, bevor man über ihn herzieht, reagieren sie beleidigt, fühlen sich herabgesetzt oder blubbern einfach munter weiter: „Jedenfalls, also die Bahamas, das ist mir zu krass“ und „Islamophobie, das ist aber schon schlimm, nicht so krass wie Antisemitismus vielleicht,  wegen den Nazis und so, aber schon echt ein Problem.“

Undsoweiter.

Tja…

Diese Fugenvokale sind an sich ja nichts schlimmes, nur drängt sich der Verdacht auf, das sie Symptome einer weit verbreiteten Pathologie sind, die sich außerdem durch Geschwätzigkeit, Gedankenlosigkeit Hobbymoralismus und Abwehr auszeichnet. Das sollte man mal näher untersuchen.

Diese Vokale sind wahrscheinlich Überreste sinnvoller Sätze, die verdrängt werden mussten. Gespenster von Gedanken, die durch die Hohlräume spuken und die leider viel zu oft mit Geist verwechselt werden.

P.S.: Was heißt eigentlich „Arschlöcher“ auf Altgriechisch? ich würde gerne einen Neologismus in die Welt setzen, der eine sympathische Spielart von „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ bezeichnet, und bräuchte da Hilfe.
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