Gesundes Volksempfinden im Dschungel

Wäre Sarah Knappik nicht manchmal so anstrengend, wäre es vielleicht einfacher, es zu bemerken. Sie gibt ein gutes Beispiel dafür ab, wie eklig die Welt sein kann und dass es mitunter die viel menschlichere, richtigere Wahl ist, wenn man am Ende als bekloppt dasteht.

Wenn Deutsche von gesundem Menschenverstand sprechen, dann entrspricht das, was sie sich dabei vorstellen eher dem Goebbels’schen „gesundem Volksempfinden“ als dem, was der Begriff im besten Falle meinen könnte: dass man noch alle Tassen im Schrank hat.

Sarah Knappik ist ziemlich vernünftig. Sie hat sich um die meisten der ekligen „Dschungelprüfungen“ gedrückt, was jeder Mensch machen würde, der noch ein bisschen Achtung vor sich selbst hat.

Man könnte jetzt entgegnen, dass man in diesem Fall nicht an einer Veranstaltung wie dem „Dschungelcamp“ teilnehmen sollte. Das stimmt zwar, aber – aber es ist doch eigentlich noch cooler, hinzugehen und einfach nicht mitzumachen, vor Millionen von Zuschauern?
Auf die anderen Lumpenprominenten und die „Gruppe“ zu pfeifen und sich nicht zu jedem Mist überreden lassen, auch wenn die anderen dann meckern, einem mangelden Teamgeist vorwerfen und einem sagen, man solle sich nicht so anstellen?

Jay Khan, Thomas Rupprath und Matthieu Carrière geben Sarah Knappik recht, wenn sie ihr vor dem Versammelten Mob Vorhaltungen machen und es dabei kaum hinbekommen, von sich selbst in der ersten Person zu sprechen. Stattdessen sagen sie „wir“ und das mit einer Konsequenz, die einem die Haare zu Berge stehen lässt. Die gute alte Formel, in Gruppengesprächen Sätze mit „ich“ zu beginnen, hat schon ihren Sinn. Es ist, frei nach Adorno, bei manchen Menschen schon eine Unverschämtheit, wenn sie „Ich“ sagen.

Diese Leute sagen tatsächlich die Wahrheit, wenn sie „wir“ sagen. Die vermittelnde Instanz, die das „Ich“ bei geistig gesunden Personen ist, ist bei ihnen fast vollständig in der Zwangsgemeinschaft aufgegangen. Wenn Jay Khan immer wieder betont, was für ein toller Teamplayer er sei, dann meint er das ernst und das schlimme daran ist – es ist auch noch wahr.

Und gerade deswegen ist er so eklig, was noch deutlicher wird daran, dass er niemals alleine herummackern kann, dafür braucht er Thomas Rupprath, der ein ähnlich armseliges Würstchen ist ( Denkt mal nur daran, wie die Beiden aufgeblüht sind, als sie endlich gemeinsam ihre Dschungeprüfung absolvieren durften).

Interessant ist auch, dass sie auch immer wieder erwähnen mussten, dass Sarah Knappik ständig „ich“ sagt und wie schlimm das sei.

Das Bashing gegen Sarah Knappik im „Dschungelcamp“ bis zu ihrem Weggang ist mal wieder ein Beispiel dafür, wie wenig der autoritäre Charakter auffällt, wenn er einfach allgegenwärtig ist. Alle sind sich einig, dass sie eine verwöhnte, egoistische Göre ist, die sich mal zusammenreißen sollte.

Sollte sie nicht. Schade, dass sie nicht mehr dabei ist, aber vielleicht besser für sie. Leider hat sie bei versucht, trotzdem anerkannt und integriert zu sein. Hoffentlich lernt sie noch, dass beides nicht zu haben ist, nicht bei einem solchen Haufen von Arschlöchern und Duckmäusern.

Die Moderatoren und das selsbstreferentielle drumherum des Senders (sogar eine „Psychoterapeutin“ (?) ist dabei, geben Anlass zur Sorge. Es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass alle niemand etwas dabei findet, wie Asozial die aktuelle „Dschungelcamp“- Gruppe ist, und dass sie nicht darauf kommen, nicht einmal im Nebensatz, dass Sarah Knappik sich, den Umständen entsprechend, zwar  unbeholfen, aber doch ziemlich vorbildhaft verhalten hat.

Wenn Matthieu Carrière zu Sarah Knappik sagt, sie sei gefährlich, dann hat er insofern recht, dass sich mehr Menschen ein Beispiel an ihr nehmen könnten, den Volkserziehungsformaten wie „Dschungelcamp“ nicht mehr auf den Leim gehen und endlich mal herumzicken, was das Zeug hält.

In diesem Sinne: einen Toast auf Sarah Knappik!

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Eine Antwort to “Gesundes Volksempfinden im Dschungel”

  1. lesbomat Says:

    Das sollte sich jedes Mobbingopfer mal anschauen, da lernt man, worum es beim Ausgrenzen und Mobben eigentlich geht.

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