Archive for the ‘Nahostrezeption’ Category

Bekenntnislyrik, Farfour

Februar 19, 2010

Heute ist leer. Wow. Leer. So leer

wie schon lang nich mehr.

Morgen wird anders:

voll.

Hoffentlich –

toll.

Heute habe ich zwei Menschen, die ich gerne mag, den Abend verdorben: Mit Farfour. Das wollte ich eigentlich gar nicht, aber dann fiel mir ein, dass ich beim ersten mal auch ziemlich erschrocken bin. (Jedenfalls tut es mir leid, C. und S.)

Es ist abstoßend in jeder Hinsicht. Die antisemitische Hasspropaganda, der religiöse Wahn, das ewige Lamento a.k.a. Palästinensisches Narrativ, dass die Zielgruppe Kinder sind…

Und es ist so so surreal, gerade weil es einfach nur dumm, schlecht gemacht und  banal ist – es könnte eine Karikatur von sich selbst sein, eine ziemlich platte Karikatur, aber das ist es eben nicht. Es ist todernst gemeint.

Es fällt mir schwer zu glauben, dass ein durchschnittlich begabtes Kind auf solche Platitüden hereinfällt?

Ich erinnere mich, dass ich im Grundschulalter die pädagogischen Broschüren, die mich vom Rauchen abhalten sollten durchweg lächerlich fand, wegen der dummen Anbiederung in Form von Jugendsprache (Rauchen ist voll nicht „cool“!), den langweiligen Comics und der leicht zu durchschauenden pädagogischen Absicht. Mir war damals klar, dass Rauchen ungesund ist, dass es süchtig macht und dass ich nie damit anfangen würde. Die Aufmachung dieser Broschüren hat mir nur eins mitgeteilt: die Macher davon schnallen wohl gar nix.

Und das kann doch bei Farfour und Co nicht anders sein, oder? Solchen debilen Käse, gegen den sogar die Teletubbies spannend sind, kann doch kein Kind über sechs mehr sehen, ohne zu schnallen, dass die Produzenten von so was nicht alle Tassen im Schrank haben? Und dass sie einen als Zuschauer für ziemlich beschränkt halten?

Da bin ich wohl zu optimistisch. Eltern, die ihre Kinder sowas sehen lassen, werden auch noch auf andere Weise dafür sorgen, dass ihre Kinder gefährliche Arschlöcher werden, sei’s mit Absicht, sei’s durch Unterlassung.

Eigentlich ist das ganze Brimborium der Djihadisten so beschränkt und platt, wie Farfour&Co. Es ist ein lächerlicher Karneval, den sie da veranstalten, mit ihren Masken, Stirnbändern, und ihrem verbissenen Ernst und Pathos. Nichts daran ist interessant, erforschungswürdig oder zu bewundern. Es ist ein Mob von blutrünstigen Monstern, verkrachten Existenzen, die dem Wahnsinn verfallen sind. Karikaturen ihrer selbst. Und die man nur deshalb ernst nehmen muss, weil sie gefährlich sind. Sonst gibt es keinen vernünftigen Grund.

Es erschreckt mich, wie viele Menschen darin immer wieder einen Ausdruck von Kultur sehen wollen oder einen berechtigten Aufstand. Dass sie sich offenbar so sehr mit dem aufgepeitschten Mob identifizieren können, dass ihnen die Lächerlichkeit und Banalität der ganzen Veranstaltung gar nicht mehr nicht auffällt.

Jetzt kopfschüttelnd einschlafen.

Jüdische Lobby…

November 5, 2008

Auf Spiegel Online dürfen sich nun Menschen aus aller Welt dazu äußern, was sie vom neuen US-Präsidenten erwarten. Die Palästinenser sind mal wieder auf dem neuesten Stand der Geschichte, die Jüdische Lobby betreffend. Ob die SPON-Redakteure einfach niemanden gefunden haben, der etwas wirklich vernünftiges zu sagen hatte oder ob selbst das Gesagte für vernünftig gehalten haben, das weiß ich nicht. Repräsentativ ist es mit Sicherheit, böse Welt.

Dass es einfach beschissen schlechter Journalismus ist, die ältesten Propagandadummheiten von komplett Irren unkommentiert abzudrucken, das muss man diesen Leuten offenbar immer wieder erklären.

Ich hätte erwartet, dass man sich als Redakteur des größten deutschen Online-Nachrichtenmagazins einen Palästinenser sucht, der nicht sofort von der Jüdischen Lobby loslegt:

  • Nabil Shaath, 62, Palästinenser, Berater des Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, und Mitglied des Zentralrats der auf einen friedlichen Ausgleich mit Israel bedachten Fatah: Der neue US-Präsident sollte seine Nahostpolitik nicht nur aus dem Blickwinkel der jüdischen Lobby sehen. Wenn die von US-Präsident Bush fälschlich genährten Friedenshoffnungen jedoch wieder enttäuscht werden – wonach es jetzt aussieht –, dann wird die gesamte arabische und islamische Welt von Turbulenzen heimgesucht, die sich auf alle Erdteile auswirken, auch auf die Vereinigten Staaten. Ein neuer starker Mann in Washington kann die Wende zum Guten bringen

Die Jüdische Lobby ist also verantwortlich für das ganze Chaos im Nahen Osten, nicht nur in Palästina. Wenn dieser Depp sein Ressentiment doch wenigstens auf Palästina beschränkt konstruieren würde…

  • Mustafa Barguti, Arzt und einer der wenigen unabhängigen palästinensischen Politiker, unterlag 2005 in der Präsidentenwahl gegen Machmud Abbas: Obama hat das Potential für den Wandel. Im Nahen Osten hoffen wir, dass er auf Grund seines familiären Hintergrunds sensibel für unsere Probleme ist. Seine Aufgabe ist es nun, sich vom Einfluss Israels und der israelischen Lobby zu befreien. ((sic!) anm. bärbel) Wir Palästinenser erwarten nicht, dass er auf unserer Seite ist, aber wir erwarten, dass er neutral und unvoreingenommen ist. Er darf die Interessen der USA nicht den Interessen Israels opfern. Ich erwarte von ihm, dass er sich mit der palästinensischen Lesart der Geschichte beschäftigt. Und ich hoffe, dass er die Friedensbemühungen neu angeht: Was wir brauchen, ist kein endloser Friedensprozess, der zu nichts führt und in dessen Schatten Apartheid herrscht. Wir brauchen einen echten Frieden – er kann helfen, ihn zu bringen.

Die bisherige US-Regierung hat also ihre Interessen den Interessen Israels geopfert. In der Palästinafrage kann das also nur bedeuten, die US-Regierung würde sich eigentlich nichts sehnlicher wünschen, als von klerikalfaschistischen Rackets regierte Palästinensergebiete, traut sich aber nicht, weil ihnen die Weisen von Zion im Nacken sitzen.

Und was, außer die Beseitigung des Jüdischen Staates kann Barguti meinen, wenn er davon faselt, es brauche einen „echten Frieden“, keinen endlos langen Friedensprozess? Angesichts der im Gazastreifen regierenden Hamas und der sicher nur wenig besseren Arafat-Zöglinge in der Westbank einen zack-bumm herbeiführbaren Frieden halluzinieren kann nur, wer dabei das Interesse der Israelis, überleben zu wollen, ausblendet oder selbst davon besessen ist, die Juden baden gehen zu lassen.

Der israelische Kronzeuge für alles, was man Israel so vorwerfen kann, ist auch mit im Boot:

  • Menachem Klein, Professor für Politikwissenschaften an der israelischen Bar-Ilan Universität, Berater von Premier Ehud Barak beim Gipfel in Camp David 2000, einer der Autoren des alternativen „Genfer Friedensplans“ von 2003: Die israelische Besatzung des Westjordanlands ist eine diskriminierende Herrschaft, die Rechte der Palästinenser werden nicht anerkannt. Der Machtanspruch ist ethnisch begründet: Eine Ethnie beherrscht die andere. Natürlich hat Israel in den Grenzen von 1948 das Recht zu existieren, aber jenseits dieser Grenze wird täglich Unrecht getan. Der US-Präsident muss das stoppen und sich dabei von den universellen Werten der Menschheit leiten lassen. Er muss Israel dazu bringen, sich auf einen endgültigen Frieden einzulassen.

Der israeli, der sich zu Nahostkonflikt äußern darf, ist natürlich auch zu 100% aufs Gemüt der deutschen Leserschaft zugeschnitten. Der andere Israeli, der was sagen darf, ist ganz vernünftig, aber harmlos genug in seiner Wortwahl, um dem deutschen Leser nicht zuviel zuzumuten. Wahrscheinlich ht er bei seiner Tätigkeit in Leipzig gelernt, das man den Deutschen vernünftige Argumente immer nur häppchenweise vorwerfen darf, um die nicht sofort die Abwehrmechanismen in Gang zu setzen. Aber trotzdem erfreulich, dass SPON auch mal einen denkenden Menschen zu Wort kommen lässt.

  • Dan Diner, Professor für Neuere Geschichte an der Hebrew University in Jerusalem, Direktor des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig: Amerika ist dabei, sich neu zu erfinden. Dies ist in der Verfassung der Vereinigten Staaten durchaus vorgesehen. Mein Wunsch geht dahin, dass Amerika weiter seiner Berufung folgt: nämlich das universalste aller Gemeinwesen zu sein. Dazu gehört, dass es als Land der Freiheit bei allen anstehenden notwendigen klugen Regulierungen im Bereich des Finanz-, Wirtschafts-, Sozial- und Gesundheitswesens das Land der Einwanderer bleibt; dass die Todesstrafe föderal abgeschafft wird; dass die Herrschaft des Gesetzes in Form wie in Substanz sich wieder festigt; dass Amerika als Hort der Demokratie und als universale Republik nicht die Anstrengung scheuen soll, sich in diesem Sinne auch für andere Gemeinwesen stark zu machen; und dass es sich mit aller Kraft an die Spitze einer internationalen Koalition setzen möge, um im Nahen- und Mittleren Osten einen dauerhaften Ausgleich herbeizuführen.

Über das Gefasel der Deutschen will ich schweigen, es ist ganz viel über Klima und so langweilig wie erwartbar. Nur eine Aussage aus Deustchland fand ich bemerkenswert anders, als den üblichen Quatsch, kein Wunder, der Typ ist vermutlich Ami:

  • John Hulsman, Experte für transatlantische Beziehungen der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, zuvor Senior Fellow beim neokonservativen Think Tank Heritage Foundation, Autor: Die Quadratur des Kreises wird die wichtigste Herausforderung werden. An seinem ersten Arbeitstag im Oval Office wird Barack Obama sich in allgemeiner Bewunderung sonnen. Doch sobald er seinen Computer anschaltet, wird die Wirklichkeit auf ihn einstürzen. Sein erstes Treffen mit General Petraeus wird etwa so ablaufen: „Mr. President, als Soldat werde ich tun, was Sie mir sagen. Aber damit Sie es wissen: Wir können nur eine Brigade pro Monat aus dem Irak abziehen, und auch das nur, wenn es gut läuft. Der Abzug wird zwei bis drei Jahre dauern.“ Obama wird schlucken und an die riesigen Erwartungen seiner Basis denken, die sofort raus aus dem Irak will. Sein zweites Treffen mit Fed-Chef Ben Bernanke wird noch schlechter laufen. „Mr. President, nichts von dem, was Sie im Wahlkampf versprochen haben, ist machbar. Besonders Krankenversicherung für alle. Wir haben das Geld nicht.“ Das durchgängige Schauspiel in Obamas Präsidentschaft wird sein, wie die lächerlich hohen Erwartungen, die er geweckt hat, in die Mauer der Beschränkungen rasen, die Amerika jetzt binden – während eine Reihe von Mächten, voran China, zu den USA aufschließen.

Ich  denke, das gesündeste wird für mich sein, ein paar Monate auf Nachrichtenabstinenz zu gehen, ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich Kotzen möchte.

SS free Gaza, SS liberty, SS Waffen…

Oktober 12, 2008

Auch von ISM, ein Artikel über die Glorreichste Segelfreizeit des internationalen Friedensaktivismus seit Sir Francis Drake:

„Mit dem Ziel die Belagerung des Gazastreifens zu durchbrechen begannen am Freitagmorgen 46 internationale Menschenrechtsaktivisten ihre Segelfahrt von Zypern in Richtung Gaza. Die beiden Boote „SS Free Gaza“ und „SS Liberty“ der Kampagne „Free Gaza“ legten gegen 9 Uhr in Larnaca ab und befinden sich momentan in internationalen Gewässern.“

„SS free Gaza“ und „SS Liberty“ – Fehlt nur noch die „SS Waffen“ und das Boot ist voll.

Aber das mit der „SS Waffen“ ist ja nun schon etwas länger her… Immerhin soll ja Ahmin al Husseini auf der „SS Waffen“ gedient haben, also alles volle Elle Palästinensische Befreiungsbewegung, gaaanz ohne Antisemitismus

die großartigen Palästinenser…

Oktober 12, 2008

ISM mal wieder…

Dieser Artikel über den Einmarsch der Palästinenser bei den olympischen Spielen in Peking hat´s mir angetan:

http://www.ism-germany.net/2008/08/10/wir-sprangen-auf-dem-sofa-die-grosartigen-palastinenser

So steigt der Autor ein:

“Mein Sohn und ich jubelten ihnen zu, nicht für einen abstrakten Nationalismus oder einer Idee von „wir gegen sie“. Wir jubelten für den Durchhaltewillen junger Frauen und Männer, welche darauf beharrten von einer besseren Zukunft zu träumen”

[…]

Nicht für die Idee eines abstrakten Nationalismus, stimmt:

“Jetzt auf das Sofa springen, auf den Bildschirm zeigen und „Palästina, Palästina“ schreien.”

Nein, da kann man wirklich nicht mehr von abstraktem Nationalismus sprechen. Der ist offensichtlich in Fleisch und Blut übergegangen, mehr noch:

“Mein Sohn und ich ließen alles, was der Kommentator sagte untergehen und konnten uns kaum auf das Bild fokussieren. Alles, woran ich mich erinnern konnte…”

der Autor gibt sogar zu, dass er wegen seines Ausbruchs nicht einmal mehr zum Fernsehen in der Lage ist.

Nein, da ist´s wirklich vorbei mit aller Abstraktionsfähikeit.

Aber muss man damit so angeben?