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Das ewige Problem der Juden…

März 4, 2010

Oha: Gegen antisemitische Ausfälle dürfen laut kölner Staatsanwaltschaft nur Juden Anzeige erstatten. Fehlt noch, dass sie vorher per Ahnenforschung die Rassenzugehörigkeit überprüft. (Wäre ein negatives Ergebnis dann eigentlich eine Art „Ariernachweis“?)

Dass Deutsche sich von Antisemitismus bedroht fühlen oder einfach etwas dagegen haben könnten, wird nicht für möglich gehalten. Antisemitismus ist das Problem der Juden.

In ihrer negativen Variante kannte ich diese Figur schon: Der Antisemitismus ist das das Problem der Juden, weil auf irgendeine Art werden sie ihn schon verursacht haben. So weit so antisemitisch, so alt die Leier.

(Ähnlich blöd ist die Feststellung, Juden selbst könnten nicht antisemitisch sein, auch wenn sie hieb- und stichfest antisemitische Statements vom Stapel lassen, wie z.B. „die Tochter„.)

Dass Juden nun auch noch, quasi positiv das Privileg auf den Antisemitismus (als ihr eigenes Problem) zugesprochen bekommen, das ist neu, und das auch noch von einer Staatsanwaltschaft in Deutschland.

Als ob der Wahnsinn dahinter, immer wieder das jüdische und die Juden bestimmen zu müssen nicht ausreichte.

Ob irgendwelche Nazis in der nächsten Zeit beleidigt fragen werden: „Man wird ja wohl als Deutscher in Deutschland noch das Recht haben, Antisemitismus zu benennen!?“ Und ob sie hinter dieser bekloppten Entscheidung der Staatsanwälte die jüdische Lobby vermuten werden?

Antisemitismus ist grotesk, da kann es immer passieren, dass jede, noch so absurde unter all seinen denkbaren Verdrehungen, irgendwann in der Realität ankommt oder zumindest diskutiert wird.

Anything goes!

Übrigens: wenn es vor deutschen Gerichten um die doppelte Staatsbürgerschaft von deutschen Israelis geht, wird es auch interessant.

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…Deutsches Hobby

November 5, 2008

Gestern war es fast nicht möglich, beim Fernsehen der der deutschen Berichterstattung über Obama zu entgehen. Obwohl noch nirgends Stimmen ausgezählt waren, blubberten überall irgendwelche Experten irgendwas über Obamas Hautfarbe und dass jetzt alles anders wird. Dazwischen immer Einblendungen von übermäßig grinsenden Mikrofonhaltern, die sich in Armenvierteln Amerikanischer Städte herumtrieben, um die dortige Obama-Begeisterung einzufangen, die sich zwar im immergleichen „America needs a Change“ erschöpfte, was die Redakteure aber nicht daran hinderte, alle Paar Minuten einen dieser O-Töne zu senden.

Der Gipfel der Plattheit war ein Beitrag über die Amtszeit George Bushs, den ich auf ard.de leider nicht finden kann. Bei der Suche bin ich dann auf das da gestoßen, es trägt immerhin den ehrlichen Untertitel: „George Bush – eine deutsche Bilanz“. Der Beitrag gestern war weit schlimmer, –  vielleicht ist es gut, dass ihn jetzt keiner mehr sehen wird. Hätte ich gestern über Sprengstoff verfügt, ich wäre nach Hamburg gefahren und hätte den Laden entfernt, so sehr habe ich mich geärgert. Stattdessen habe ich die Kiste ausgemacht und bin ins Bett gegangen, auch eine Möglichkeit. Leider werde ich da auch nicht bleiben können, ohne Fernseher wird das auf Dauer langweilig. Und den werde ich vorerst nicht mehr anschalten.

Immerhin ist jetzt die Ära des Bush-Bashing vorbei, die Deutschen werden sich fürderhin ein neues Hobby suchen müssen. Obama mit Hitler zu vergleichen, das wird sich so schnell kein Deutscher trauen. Nicht weil es einfach dumm ist. Sie werden es nicht tun, weil es „rassistisch“ sein könnte. Man darf gespannt sein, woran sich das antiamerikanische Ressentiment in Zukunft abarbeiten wird. Bliebe zu befürchten, dass es mangels Projektionsfläche wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt und sich für die nächsten vier oder Acht Jahre intensiver der Kritik der „israelischen Administration“ zuwenden wird.

Wenn es so wird, was ich durchaus für möglich halte, dann wird auch irgendein Schlaukopf anfangen von der israelischen „Administration“ zu sprechen, und alle machen´s nach. Als zu Anfang von Bushs Amtszeit, ich glaube von Bush selbst, einmal den Antiamerikanern vorgeworfen wurde, sie seien Antiamerikaner, konterten diese, sie seien ja nicht prinzipiell gegen Amerika, sondern gegen die „Bush-Administration“. Der Terminus hat sich gehalten. Sollte wohl irgendwie nach differenziert klingen, wer etwas auf sich hielt, sagte auf keinen Fall „Bush-Regierung“ oder „Bushs Kabinett“, es musste „Administration“ sein. Warum sich ausgerchnet das Fremdwort füt „Verwaltung“ im antiamerikanischen Jargon durchgesetzt hat, kann ich mir nicht erklären. Es ergibt genauso viel oder wenig Sinn, wie jede andere Bezeichnung auch.

Wahrscheinlich wissen die Antiamerikaner wie banal und dumm ihr Ressentiment ist und haben sich gedacht, mit dem Fremdwort würde ihr Gefasel ein bisschen mehr nach Bildung klingen.