WIXTROUP

Zum Morgenthauplan 2.0 a.k.a. Baerbelplan gehört natürlich WIXTROUP. Wixtroup bedeutet, nicht-Identität einen Namen zu geben, diese Figur für das im falschen Ganzen deformierte Bewusstsein greifbar zu machen.

Da nur wer Wixtroup ist weiß, was Wixtroup ist, entstehen neue Biotope der Subjektivität, da kann z.B. Zukunft wieder konstruiert werden, ohne den bitteren Beigeschmack, der den althergebrachten Begriffen dieses Fachs anhaftet. Daher:

Res severa est verum Gaudium

 

Eine Kurze Abhandlung über Wixtroup

Wenn eine Betätigung oder ein Gegenstand sich selbst genug sind, gleich welcher Art, dann sind sie Wixtroup. Wixtroup sind auch jene Bestrebungen, die in verschiedenster Form Kritik üben an allem, was dem Wesen von Wixtroup widerspricht. Dienen sie einem anderen Zweck als ihrer eigenen Existenz oder der Entfaltung von Wixtroup, also beispielsweise der Zerstreuung oder einem Partikularinteresse, sind sie nicht mehr Wixtroup.

In höchstem Grade Wixtroup ist es, wenn der Gegenstand der Betrachtung oder die Tätigkeit Wixtroup selbst ist, jedoch kommt Wixtroup auch nicht aus ohne die Fülle all dessen, was Wixtroup ist. Genau wie alles, was als Wixtroup gelten kann, nicht weiter von Bedeutung wäre, wäre es nicht Wixtroup.

Und genau das ist das Wesen von Wixtroup: Es stellt die Verbindung her zwischen all den Lebensäußerungen, die dem Satz Adornos genügen würden, dass nur diejenigen Gedanken wahr sind, die sich selbst nicht verstehen.

Wäre die Welt anders eingerichtet, es bedürfte einer Figur wie Wixtroup nicht. Wixtroup soll allerdings nicht falsch verstanden werden als eine Spielart postmoderner Irrationalismen wie etwa Différance, Queerness oder Rhizom. Wo jene nämlich auf Fragmentierung und Dekonstruktion, vulgo die blindwütige Zerschlagung begrifflicher Maßstäbe zielen, beharrt  Wixtroup auf deren Erhaltung, denn ohne sie lässt sich kein kritischer Gedanke mehr formulieren, der die verkehrten Verhältnisse noch transzendieren könnte.

Die sich mehr und mehr ausbreitende Esoterik, politisierende Erbauungs- und Empörungsliteratur sowie das vorgeblich naive Interesse an „Kulturen“ aller Art, sind ein Vorgeschmack auf das hereinbrechende Reich der Freiheit zur Unfreiheit, in dem das Hupen der Vuvuzelas und der Ruf des Imam irgendwie das Gleiche sind, gleichzeitig aber auch irgendwie nichts miteinander zu tun haben

Ohne einen Einheit stiftenden Gedanken bleibt das Geplänkel mit dem Nichtidentischen nichts als bornierte Identitätshuberei. Das Bekenntnis, den eigenen Begriffen und damit der in sie eingegangenen Erfahrung auf keinen Fall zu trauen, wird zum Ausweis antiautoritärer Rechtschaffenheit, der Vernunftbegriff an sich wird denunziert als als ein Instrument der Herrschaft, als ob dieser durch etwas anderes als einem Mehr an Vernunft beizukommen wäre.

Und da, wo Vernunft einem anderen Zweck dient, als der Verwirklichung allgemeinen individuellen Glücks, wo sie zum Instrument des Terrors gegen die Freiheit wird, wo noch jede an sich sinnvolle menschliche Regung bis hin zu den elementarsten Trieben als Funktion der schlechten Allgemeinheit dienstbar gemacht wird, darf das Individuum nicht sein Heil suchen im reinen Negativen dessen, was als vernünftig gilt, will es sich nicht selbst zerstören.

Solcher Suizid, sei er tätig oder sei er sublimiert, beispielsweise im maßlosen Zigarettenkonsum oder der Depression, verfehlt sein Ziel. Das Individuum verweigert die Versöhnung mit seiner ihm angeborenen Natur, weil diese ihm verdoppelt, in Form gesellschaftlichen Zwanges gegenübertritt. Und da es als Subjekt notwendig nicht glernt hat, diese beiden Naturen auseinanderzuhalten, kann ihm auch Vernunft immer nur in dieser widersprüchlichen Doppelgestalt gegenübertreten. Jedenfalls so lange, bis ihm dieser Zusammenhang bewusst ist, und es in Wixtroup das Wesen der Vernunft in seiner positiven Gestalterfährt.

Man kann umgekehrt also auch sagen, dass in einem Vernunftbegriff, der nicht Wixtroup ist, immer auch die Willkür angelegt ist, die Möglichkeit, ihn zum Bösen zu entfalten und gegen das Individuum zu richten.

Wixtroup ist der Ort, an dem das Individuum sein Transzendentales aufbewahren, reflektieren und wachsen lassen kann, und damit aber auch die Instanz, in der die Schwierigkeit, ja beinahe Unmöglichkeit des Unterfangens bewusst wird. Mit Wixtroup soll die Seele auch im Reich der Träume endlich erwachsen werden, auf dass sie dessen Inhalte in der Wirklichkeit zum Maßstab machen kann, ohne zurecht der Traumtänzerei bezichtigt zu werden.

Wixtroup stiftet die Einheit der letzten Residuen geistreichen Eigensinns, die als einzelne nichts weiter bleiben könnten, als tröstliche Gedanken, die dem geballten Irrsin der Wirklichkeit kaum länger, als einen weinseligen Abend lang, standhalten könnten. Wixtroup ist somit Sublimierungin ihrer höchsten Form, ohne jedoch technisch zu sein,Man ist Wixtroup. Man praktiziert es nicht, man lebt es nicht. Es ist die, wenngleich immer beschnittene, Erfahrung von Freiheit, Einzigartigkeit und die Ahnung der Möglichkeit wahren Glücks, die mit Wixtroup in einem Gemeinwesen zu sich kommen könnte, dem nichts heiliger wäre, als das Individuum.

Aus diesem Grund ist Wixtroup auch notwendig kommunistisch, wie auch kein Kommunismus seinen namen verdiente, der nicht Wixtroup ist: Jeder Sozialismus, dem das Individuum und seine Entfaltung nicht wesenhaft ist, wird umschlagen in die Tyrannei des Kollektivs, das sein Ressentiment gegen alles besondere zum allgmeinen Maßstab erhebt.

Diese Überlegungen sind alle nicht neu, bedürfen aber wohl des neuen Begiffs, den als ernste Sache zu verteidigen, aufgrund seiner positiven Radikalität, seiner scheinbaren Praxisuntauglichkeit und der Assoziationen, die er weckt, einigen Mut erfordert.

Wixtroup ist es, diesen Mut zu entwickeln, den Mut, sich nicht konstruktiv an irgendwelchen Diskursen zu beteiligen, sondern zu streiten. Nicht für Irgendwas, sondern für Wixtroup.

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